Als Reifenlatsch (oder Reifenaufstandsfläche) bezeichnet man den Bereich des Reifens, der tatsächlich Bodenkontakt mit dem Asphalt hat. Während ein Mittelklasse-PKW auf vier großen Flächen steht, beträgt die Kontaktfläche eines Motorrads pro Reifen oft nur die Größe von ein bis zwei Kreditkarten (ca. 20 bis 35 cm²).
1. Formveränderung unter Schräglage
In aufrechter Geradeausfahrt ist der Latsch eher länglich oval. Mit zunehmender Schräglage wandert der Kontaktpunkt auf die Reifenschulter. Moderne Motorradreifen besitzen eine Kontur mit unterschiedlichen Radien (Multi-Radius-Kontur), die darauf ausgelegt ist, die Aufstandsfläche bei Schräglagen zwischen 25° und 45° möglichst stabil oder sogar leicht vergrößert zu halten.
2. Der entscheidende Einfluss des Luftdrucks
- Zu hoher Luftdruck: Der Reifen kann sich nicht ausreichend walkend an die Mikro-Rauheit des Asphalts anpassen („Verzahnung“). Der Latsch verkleinert sich drastisch, die Eigendämpfung sinkt, das Motorrad wird nervös und reißt bei Bodenwellen schlagartig ab.
- Zu niedriger Luftdruck: Der Latsch vergrößert sich zwar scheinbar, die Karkasse verliert jedoch ihre Stabilität. Der Reifen walkt übermäßig, überhitzt auf der Landstraße schnell und fängt in Schräglage an zu schwimmen und einzuknicken.
Tipp: Immer den vom Fahrzeughersteller für die Straße empfohlenen Kaltdruck messen und einstellen. Rennstrecken-Heißdrücke sind für kalte Landstraßenbeläge lebensgefährlich.
Wichtiger Hinweis: Diese Antwort ersetzt keine Rechtsberatung und keine TÜV-Prüfung. Stand: 2026-09-22.
Quellen:
- Institut für Zweiradsicherheit (ifz): Realschräglagen- und Latsch-Untersuchungen
- Continental Motorcycle Tyres: Contact Patch & Cold/Warm Pressure Dynamics
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