Der Kamm’sche Kreis (nach Prof. Wunibald Kamm) beschreibt das maximale Kraftschlusspotenzial zwischen Reifen und Fahrbahn. Die gesamte übertragbare Kraft ist begrenzt und teilt sich vektoriell in zwei Komponenten auf: Längskräfte (Beschleunigen und Bremsen) sowie Seitenführungskräfte (Schräglage und Kurvenführung).
1. Das Prinzip der 100 Reibungspunkte
Veranschaulicht nach Nick Ienatsch steht dem Reifen ein Budget von exakt 100 % Grip zur Verfügung:
- Fährst du geradeaus und bremst mit 100 % Bremskraft, bleiben 0 % für Kurvenkräfte übrig.
- Fährst du mit 45° Schräglage am Limit, beansprucht die Seitenführung 95–100 % des Reifens. Jeder zusätzliche Druck auf die Bremse überfordert den Kamm’schen Kreis sofort — der Reifen rutscht weg.
2. Die Panikreaktion: Zuziehende Kurve
Zieht eine Kurve überraschend zu oder taucht ein Hindernis auf, packen viele Fahrer vor Schreck in die Bremse, während sie noch versuchen, die Schräglage zu halten. Die Summe aus Brems- und Fliehkraft übersteigt die Haftgrenze.
3. Warum das Lösen der Bremse Schräglage freigibt
Wenn die Straße ausgeht, ist oft noch Schräglagenreserve vorhanden — sie ist jedoch durch das gleichzeitige Bremsen blockiert. Löst du die Bremse vollständig, werden 100 % der Reifengrifffläche für die Seitenführung frei. Durch einen gezielten Lenkimpuls kann das Motorrad nun noch weiter abgeklappt werden, um die Kurve sauber zu vollenden.
Wichtiger Hinweis: Diese Antwort ersetzt keine Rechtsberatung und keine TÜV-Prüfung. Stand: 2026-09-22.
Quellen:
- Wunibald Kamm: Das Kraftschlusspotenzial von Kraftfahrzeugreifen
- Nick Ienatsch: 100 Points of Grip
- kurven.schule® Doktrin: Reibungskreis & Seitenführung
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